Sportkreis Groß Gerau e.V. 
im Landessportbund Hessen
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Wahlhearing im Sportkreis Groß-Gerau

Parteien positionieren sich zum Sport

Wahlhearing im Sportkreis Groß-Gerau

Am Sonntag, den 15. März 2026, entscheidet sich bei der Kommunalwahl im Landkreis Groß-Gerau, wer in den kommenden fünf Jahren die politischen Weichen stellt. Da solch eine Wahl ihre Schatten vorauswirft, initiierte der Sportkreis Groß-Gerau, welcher als Dachorganisation von 245 Sportvereinen des Kreises fungiert, am 25. Februar ein Wahlhearing. Zur Veranstaltung im Landratsamt waren Vertreter*innen aller im Kreistag vertretenen Parteien, einiger Sportvereine und des Sportkreises anwesend. Das Ziel des Abends war es, herauszufinden, wie sich die einzelnen Parteien zu Themen und Fragen rund um den Sport positionieren.

Die Veranstaltung, die auf einem zuvor erarbeiteten Fragenkatalog basierte, wurde durch den Vorsitzenden des Sportkreises Dr. Eckardt Stein eröffnet. Anschließend führte Jörg Monzheimer als Moderator durch den Abend. Aufgrund des zeitlichen Rahmens konnte zwar nicht auf jede der 17 Fragen eingegangen werden, jedoch fand ein konstruktiver, thematisch vielseitiger und hilfreicher Austausch statt.

Finanzielle Ausstattung der Vereine und Outdoor-Angebote

Der Einstieg erfolgte durch eine Fokussierung auf Fragen zur zukünftigen finanziellen Ausstattung der Vereine und des Ehrenamts. Hinsichtlich der Sportförderung durch freiwillige Leistungen des Kreistages herrscht Einigkeit über deren Wichtigkeit, jedoch variieren die Begründungen. Während die Vertreter*innen von CDU, AfD und SPD diese Leistungen als essenziell beziehungsweise als zu schaffende Grundlage ansehen, stuft Lars Nitschke (Die Grünen) die Zahlungen der Kommunen nicht länger als freiwillige Abgabe, sondern als zukünftige Pflichtaufgabe ein. Andreas Swirschuk, seines Zeichens Vertreter der Linkspartei sieht die Verantwortung beim Land Hessen und verwies auf “erhebliche Defizite”, die es in Bezug auf entsprechende Zuschüsse aufweise. Eine visionäre Ansicht teilte Ronja Ketterer (Die Partei), die sich dafür aussprach die 132 Millionen Euro, welche der Kreis und seine Kommunen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes erhalte, komplett in den Sport zu investieren.

Auch über die Outdoor-Angebote wurde gesprochen, wobei die Parteien auf unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Während “Die Grünen” bestehende Projekte wie die Rheinwelle oder Skateranlagen für unterstützenswert halten, liegt der Fokus der Linken und der CDU auf dem Erhalt und Ausbau von Anlagen wie Klettertürmen, Trimm-dich-Pfaden oder Calisthenics-Parks. Die SPD, vertreten durch Kerstin Geis, legt unter dem Motto „Der Kreis soll wieder rollen“ ein besonderes Augenmerk auf die Regionalparkrouten und ein Mobilitätstraining für alles, was Rollen hat. Einigkeit besteht zudem zwischen Grünen und FDP über die Öffnung von Schulhöfen für die Allgemeinheit.

Zukunft des Ehrenamts

Um das Ehrenamt zukunftsfähiger zu machen, fordert die Vertreterin der AfD Irmgard Horesnyi eine Entbürokratisierung. Zustimmung erhält sie hier von den Grünen, die zudem die Stärkung des Hauptamtes zur Entlastung des Ehrenamtes vorschlägt. Kerstin Geis (SPD) äußert, dass ihre Partei mehr auf klassische Wertschätzung durch Jubiläen und Preise und zudem mehr Fortbildungen setzen möchte. Die FDP in Person von Peter Engemann äußerte den Willen, den Nachwuchs durch stärkere Finanzierung von Fortbildungen unterstützen zu wollen, während die CDU die Vernetzung unter den Vereinen fördern möchte, um die Fördermöglichkeiten breiter publik machen zu können. Einen unkonventionellen Weg schlägt “Die Partei” vor: Sie möchte Jugendliche durch Trend-Sportarten wie „Flunkyball“ für das Ehrenamt gewinnen.

Sportstätten und Infrastruktur – Mehr Schwimmbäder für den Kreis?

Aufgrund eines in näherer Zukunft möglichen Sanierungsstaus, wurden die Vertreter*innen der Parteien zu Ansätzen, konkreten Projekten und Finanzierungsmodellen befragt, um Sportstätten zu erhalten oder zu schaffen. Christdemokrat Puttnins-von Trotha sprach sich hierbei für die Reduzierung von gewissen Standards aus, “denn dann könnten wir uns mehr leisten”. FDP-Politiker Engemann äußert, dass der Passivhaus-Standard nicht zwingend eine optimale Lösung darstellt und das serielle Bauen von Sportstätten eine weitere Möglichkeit darstelle, trotz begrenzter finanzieller Mittel, diese Sportstätten langfristig nutzbar zu machen. Entgegen diesen Ansichten stehen sowohl die Grünen als auch die SPD. Während Nitschke (Grüne) argumentiert, dass die Passivhaus-Bauweise langfristig eine finanzielle Ersparnis mit sich bringt und die eigentlichen Probleme im Bereich der Steuerpolitik liegen, sieht Geis (SPD) Bund und Land in der Pflicht sich stärker zu engagieren als zuvor. Der finanzielle Aspekt lasse sich laut der AfD durch die Senkung von Energiepreisen lösen, indem wieder auf Atomkraft und Kohleverbrennung gesetzt werden würde.

Ferner wurde über weitere Finanzierungsmodelle gesprochen, die in den Raum geworfen wurden. Darunter zählt die gezielte Einsetzung von zehn Prozent eines vom Land Hessen bereitgestellten Sondervermögens und die Verstetigung von Vereinssportstätten auf kommunaler Ebene. 

Angestoßen durch Dr. Udo Ahlheim, stellvertretender Vorsitzender des Sportkreis Groß-Gerau, wurde zudem noch über das Thema Schwimmbäder und Schwimmkurse gesprochen. Trotz unterschiedlicher Ansätze für die Umsetzung herrschte zwischen den Vertreter*innen der Parteien große Einigkeit über den Bedarf weiterer Wasserflächen.

Sport in Kita, Schule und Ganztag

Unter Betrachtung der Sport- und Bewegungsförderung von Kindern in Kita, Schulen und im Ganztagsbereich, gab es angeregten Austausch. Der Erfahrungsbericht von Lehrerin Steffi Steuernagel, stellvertretende Vorsitzende des SV Crumstadt, über die schwierige Situation an der Georg-Büchner-Schule in Goddelau löste eine Diskussion über den Platzmangel für Bewegung von Kindern und Jugendlichen aus. Aufgrund von Containern und der fehlenden Möglichkeit auf den benachbarten Kerbeplatz ausweichen zu können, sei der Bewegungsraum auf dem Schulhof stark eingeschränkt.

Auch die Politik sieht hier Handlungsbedarf. Die SPD betont, dass für die Umsetzung der dritten Sportstunde Stadt und Kreis stärker zusammenarbeiten müssen, um zusätzliche Bewegungsräume zu schaffen. Außerdem wird gefordert, Übungsleiter aus Vereinen leichter für schulische Veranstaltungen freistellen zu können. Diese Forderung wurde von Eckardt Stein unterstützt. Er verwies zudem darauf, dass es über zehn Jahre gedauert habe, bis Übungsleiterkurse als Bildungsurlaub anerkannt wurden. Die Linke sieht ähnliche Probleme auch an anderen Grundschulen. Die CDU hebt hervor, dass Sport und Bewegung schon bei der Planung von Schulen stärker berücksichtigt werden sollten. Als Beispiel wurden funktionierende Kooperationen zwischen Schulen, Sporthallen und Vereinen genannt. Auch kreative Ansätze für Ganztagsangebote, etwa gemeinsame Aktionen mit der Feuerwehr, wurden angesprochen.

Die FDP kritisierte, dass der Ganztag organisatorisch so geregelt wurde, dass Land und Bund möglichst wenig Kosten tragen müssen. Dadurch sei das Konzept insgesamt schlecht vorbereitet worden. Man müsse nun aus der Praxis heraus Lösungen entwickeln, obwohl die Planungen eigentlich schon weiter sein sollten.

Förderung des Wettkampf- und Leistungssports

Auch eine größere Unterstützung des Leistungssports im Kreis war zum Abschluss des Abends Thema. Während die Linke die Vision einer eigenen Sportschule in Groß-Gerau skizzierte, bremste die SPD mit Verweis auf den enormen Organisationsaufwand und die nötige Infrastruktur unter Betrachtung des Konzepts der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt. Das milliardenschwere Schulsanierungsprogramm habe vorerst Priorität. Auch die CDU sieht den Fokus klar bei den Pflichtaufgaben, da vielen lokalen Sportarten derzeit die nötige Strahlkraft für solche Projekte fehle.

Nicht vergessen! Mitbestimmen. Mitgestalten. Mitwählen. Am 15. März für den Sport.

Linus Moerschel - Sportkreis
 
 

 
veröffentlicht am 15.03.2026