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„Gemeinsam Zeit“

Kooperation von Sportkreis Groß-Gerau , SKG Erfelden und Seniorenberatung Riedstadt/Stockstadt

„Gemeinsam Zeit“

Der Sportkreis Groß-Gerau e.V. hat in Kooperation mit der SKG Erfelden e.V. und der Seniorenberatung Riedstadt/Stockstadt im August das Pilotprojekt „Gemeinsam Zeit“ gegen Einsamkeit im Alter gestartet. Das Projekt soll soziale Verbindungen stärken und durch aktive Teilhabe Netzwerke gegen Vereinsamung und Isolation unter den Teilnehmer*Innen schaffen. 

Jeden Montag von 15:30 bis 17:30 treffen sich max. 25 Senioren*Innen ab 70 Jahren zu einem betreuten, gemeinsamen Spiele- und Bewegungsnachmittag in der vereinseigenen Rheingoldhalle. In entspannter Atmosphäre bei Kaffee und Kuchen, bei Bewegungsspielen und Gesellschaftsspielen kann und soll eine neue Gemeinschaft erlebt werden und neue Kontakte geknüpft werden. Die begrenzte Teilnehmerzahl bei diesem Pilotprojekt ist der zur Verfügung stehenden Räumlichkeit geschuldet.  

Warum engagieren sich der Sportkreis, der Sportverein und die Seniorenberatung in einem Projekt gegen Einsamkeit? Die Antwort ist ganz einfach: Sport, in diesem Fall Bewegung -ist gesund- macht Spaß, verbindet und schafft damit „Gemeinsam Zeit“ gegen Einsamkeit! 

Außerdem haben die drei Kooperationspartner bereits sehr gute Erfahrungen mit gemeinsamen Projekten gemacht. Im Jahr 2025 wurde zweimal der sog. AlltagsFitnessTest mit ca. 130 Teilnehmer*Innen in der SKG Rheingoldhalle durchgeführt. Dabei handelt es sich um einen wissenschaftlich ausgearbeiteten Bewegungstest für Senioren*Innen ab 60 Jahren für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Ein selbstbestimmtes Leben im Alter beinhaltet aber u.a. auch Teilhabe am sozialen Leben.

 

Einsamkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung 

Laut dem Einsamkeitsbarometer 2024 des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) tritt Einsamkeit in allen Altersgruppen (alte wie junge Menschen) und in verschiedenen Lebenssituationen (von Armut Betroffenen, Menschen mit Behinderung oder Flucht- und Migrationserfahrung) auf.  

Besonders häufig sind allerdings ältere Menschen davon betroffen. Einsamkeit zählt für alle Betroffenen zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken. Sie stellt im Gegenteil ein ernstes gesundheitliches und gesellschaftliches Problem dar, das eben auch viele ältere Menschen betrifft. Dafür gibt es sehr unterschiedliche Ursachen, z.B. 

  • Verlust von Bezugspersonen: Ältere Menschen leben häufiger allein. Familien leben häufig weit entfernt. Der Tod von Partnern, engen Freunden oder Familienmitgliedern reißt oft große Lücken ins soziale Netz.
  • Gesundheitliche Einschränkungen: Nachlassende Mobilität, Schmerzen oder Pflegebedürftigkeit erschweren es, das Haus zu verlassen, soziale Kontakte zu pflegen und so aktiv am Leben teilzunehmen.
  • Altersarmut und soziale Deprivation: Finanzielle Engpässe schränken die Teilhabe an Kultur, Vereinen oder Treffen ein. 

Statistische Erhebung zu Einsamkeit im Alter

 

"Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass Armut einer der wichtigsten Risikofaktoren für Einsamkeit ist", Maike Luhmann, Psychologin an der Ruhr-Universität Bochum zum Thema Einsamkeit. 

 

Wie die Gesundheit unter Einsamkeit leidet 

Einsamkeit und soziale Isolation können schwerwiegende Folgen für die Lebensqualität und die Gesundheit älterer Menschen haben. Es gibt mittlerweile hunderte wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass einsame Menschen eher psychisch krank werden, oder auch, dass sie eher körperliche Erkrankungen bekommen. Senioren und Seniorinnen, die sich über einen langen Zeitraum hinweg einsam fühlen, bewegen sich weniger, treiben seltener Sport, rauchen mehr, schlafen schlechter und haben häufiger chronische Krankheiten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Einsamkeit deutliche Folgen für die Gesundheit hat, z.B. 

  • Psychische Belastung: Chronische Einsamkeit begünstigt stark die Entstehung von Depressionen, Angststörungen und Antriebslosigkeit.
  • Körperliche Erkrankungen: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Demenz und eine geschwächte Immunabwehr steigt nachweislich.
  • Erhöhtes Sterblichkeitsrisiko: Der Mangel an sozialen Kontakten und/oder das Gefühl von Einsamkeit kann das Sterblichkeitsrisiko erhöhen. Sozial isoliert lebende Menschen, die sich einsam fühlen oder allein leben, haben ein um bis zu einem Drittel erhöhtes Sterblichkeitsrisiko im Vergleich zu Menschen, auf die das nicht zutrifft. 

Soziale Beziehungen gehören nach Einschätzung von Fachleuten zu den wichtigsten Voraussetzungen für ein gesundes und selbstbestimmtes Altern. Sie spielen neben Bewegung, ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf und einem guten Stressmanagement eine entscheidende positive Rolle. Der wichtigste Schritt gegen Einsamkeit ist zunächst, soziale Kontakte wieder aufzubauen oder bestehende Beziehungen zu stärken. Das klingt einfach, ist aber gerade im Alter oft besonders schwierig.  

Gerade dabei soll das Projekt „Gemeinsam Zeit“ unterstützen. Es soll helfen durch aktive Teilhabe neue soziale Verbindungen aufzubauen, diese zu stärken und Netzwerke gegen Vereinsamung und Isolation unter den Teilnehmer*Innen zu schaffen. Dies wird mit Bewegungsspielen in einer lockeren Atmosphäre kombiniert. 

 

Ehrenamtliches Engagement gegen Einsamkeit im Alter 

Neben Städten und Gemeinden, Krankenkassen etc. bieten soziale Organisationen z.B. Seniorenbüros, Wohlfahrtsverbände und Kirchengemeinden Besuchsdienste oder Nachbarschaftshilfen an, insbesondere für ältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität und leisten damit wichtige Beiträge gegen soziale Isolation. 

 Eine zentrale Rolle spielt auch das ehrenamtliche Engagement, um Isolation im Alter entgegenzuwirken.  

„Demokratie lebt nicht nur von Wahlen und Gesetzen. Sie lebt auch davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen, etwa im Ehrenamt, (...) Ohne das Ehrenamt würde vieles in Deutschland nicht funktionieren: Menschen begleiten Senioren, organisieren Nachbarschaftshilfe oder engagieren sich in Vereinen. Sie helfen dort, wo Unterstützung gebraucht wird - oft leise, aber unverzichtbar.“ Cengiz Ünal im ZDF 23.05.2026 

Bürgerschaftliches Engagement entwickelt Strukturen, die Menschen miteinander verbinden und schafft Begegnungsräume als Orte der Teilhabe. Ob in Vereinen, Initiativen, Nachbarschaftshilfen, Bürgerstiftungen oder Integrationsprojekten: Ehrenamtliches Engagement trägt in vielfältigen Formen dazu bei, Einsamkeit vorzubeugen und die Folgen zu lindern.  

Dieses gemeinsame Ziel sehr verschiedener Akteure bildete die Antriebsfeder und die Basis für unsere Kooperation aus Sportkreis Groß-Gerau, SKG Erfelden und Seniorenberatung um mit dem Projekt „Gemeinsam Zeit“ Einsamkeit als gesamtgesellschaftliche Herausforderung in Riedstadt entgegenzuwirken. Federführend sind dabei Frau Stefanie Drozdzyski für die Seniorenberatungsstelle, Ottmar Eberling und Karin Schnatbaum für die SKG Erfelden und Dr. Eckardt Stein für den Sportkreis Groß-Gerau. 

Das niedrigschwellige Angebot richtet sich an Senioren*Innen ab 70 Jahren und ist kostenfrei für alle Teilnehmer*Innen. Es findet montags 2-stündig in der Zeit von 15:30 bis 17:30 im sog. Jugendraum der SKG-Rheingoldhalle statt, der ebenerdig und barrierefrei zugänglich ist. Eine weitere wichtige Voraussetzung von allen drei Kooperationspartnern besteht darin, dass dieses Angebot für alle offen steht, besonders auch für Nichtmitglieder des Vereins aus den benachbarten Stadtteilen! Vereinsmitglieder sind natürlich herzlich willkommen, sie können aber auch die angebotenen Fitnesskurse z.B. beim gemeinsamen Walken zur Bewegung nutzen.  

Die Teilnehmer*Innen müssen sich nur um den Transport für den Hin-/Rückweg kümmern, alles weitere wird von den Vereinen zur Verfügung gestellt.  

Aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten für dieses Pilotprojekt waren und sind Anmeldungen zur Teilnahme erforderlich, da unbedingt vermieden werden soll, dass interessierte Seniorinnen und Senioren aus Platzmangel keinen Zugang finden. 

Das Spieleangebot in diesen 2 Stunden ist altersangepasst und besteht aus Bewegungsspielen und Gesellschaftsspielen, die kurzweilig sind und den Teilnehmer*Innen so ein wechselweises Mitmachen ermöglichen. Die angebotenen Bewegungsspiele z.B. Luftballonfederball oder Stuhlgymnastik mit Bällen werden angeleitet und begleitet von den beiden ehrenamtlichen Übungsleiterinnen. Die Gesellschaftsspiele sind ebenfalls altersgerecht, z.B. durch größere Spielfiguren und werden sowohl von der Seniorenberatungsstelle als auch vom Verein zur Verfügung gestellt. Als besonderer Wohlfühlmoment, der den Nachmittag abrundet, werden Kaffee und Kuchen angeboten, der von allen Beteiligten als Kuchenspende mitgebracht wird. Unterstützung bekommen die beiden Übungsleiterinnen vom 1. Vorsitzenden der SKG Erfelden und von der ehemaligen 2. Vorsitzenden, die als helfende Hände u.a. beim Kaffeekochen anpacken. 

Dieses Pilotprojekt wird sehr gut angenommen, alle Plätze sind vergeben und es gibt zusätzlich eine Warteliste. An jedem Montag ist der Jugendraum voll besetzt. Das gelingt aber nur, weil sich die Teilnehmer*Innen abmelden, wenn Sie an einem Termin z.B. krankheitsbedingt fehlen, dann rückt jemand von der Warteliste nach. Die Teilnehmer*Innen sind begeistert von diesem Angebot und freuen sich am Ende des Nachmittags bereits auf den nächsten Montag. 

Hier einige Kommentare: „Es gefällt mir sehr gut; Es ist sehr lustig, wir lachen viel; Unbedingt weitermachen; Montag ist fest im Kalender eingeplant!“  

Die Aussagen von zwei Teilnehmer*Innen zeigen besonders die Wichtigkeit dieses Projektes auf: Der Sonntag hat seinen Schrecken verloren, die Einsamkeit besonders an den Wochenenden samstags und sonntags war schwer zu ertragen, jetzt freuen sie sich auf den Montagnachmittag und damit lässt sich auch das Wochenende, der Sonntag, besser überstehen. 

Ursprünglich war dieses Pilotprojekt auf 10 Nachmittage ausgelegt. Aufgrund der Beliebtheit bei den Seniorinnen und Senioren und der damit verbundenen großen Nachfrage ist eine Fortsetzung von allen drei beteiligten Kooperationspartnern geplant! Von Vereinsseite wird geschaut, wann und wo zusätzlich freie Räume zur Verfügung stehen, um dann ggf. einen zweiten Parallelkurs anzubieten. 

Zusammenfassend, das Kooperationsprojekt von Sportkreis Groß-Gerau e.V., SKG Erfelden e.V. und Seniorenberatungsstelle Riedstadt/Stockstadt „Gemeinsam Zeit“ stärkt die Gemeinsamkeit und hilft gegen Einsamkeit bei uns in Riedstadt. 

Bild 1: Bei der Stuhlgymnastik mit Bällen wird pro Doppeltisch mit je drei Bällen gearbeitet: Die Bälle vom rechten Nachbarn an den Linken weiter reichen – mehrere Runden – dann in die andere Richtung; die Bälle über den Kopf an den Nachbarn reichen –  dann in die andere Richtung; die Bälle kreuz und quer über den Tisch rollen, ohne dass einer herunterfällt.
Bild 2 : Das Bild zeigt einen Teil der Bewegungsübungen mit Schulterkreisen von vorn nach hinten und von hinten nach vorn; Kopf im Wechsel nach links und rechts drehen; Arme angewinkelt vor dem Körper halten und öffnen, schließen; mit der rechten Hand ans linke Knie fassen, dann mit der linken Hand ans rechte Knie…
veröffentlicht am 20.10.2026